Der Automobilhersteller Volkswagen ist für die allgemeinen Verhältnisse bei der Beteiligung namhafter Produzenten erst sehr spät in den Motorsport eingestiegen. Über 20 Jahre nach der Wiederaufnahme der Produktion nach dem 2. Weltkrieg ist „Volkswagen Motorsport“, eine 100%ige Volkswagentochter mit Hauptsitz in Hannover (nicht Wolfsburg), erst 1966 gegründet worden. Man gründete damals die Formel V in Bezug auf den Eigennamen und in Anlehnung an die erfolgreichen Auto-Verkäufe in den 60er und 70er Jahren. Aus heutiger Sicht so etwas wie ein Einsteigerkonzept für die Teilnahme am nationalen Autorennsport, denn die ersten Rennen wurden alle mit Fahrzeugen durchgeführt, die weitestgehend auf der Technik des VW-Käfers basierten. Blickt man jedoch auf die Vergangenheit vieler deutscher Rennfahrer zurück, stellt man fest, dass viele von ihnen ihre Karriere in der Formel V begannen. Somit galt die Formel V lange Zeit als eine Art Talent- bzw. Kaderschmiede im Bereich des deutschen Rennsports.

Die frühen Rennerfolge

Die eigentliche Erfolgsserie der Formel V begann 1969 mit dem Sieg von Helmut Marko, der Niki Lauda seinerzeit auf den 2. Rang verwies und mit einer neuen Durchschnittsgeschwindigkeit von über 137 Km/h auf dem Nürburgring Geschichte schrieb. 1971 war das Jahr des Jochen Maas. Er gewann in einem Kaiman (Österreichischer Rennwagenhersteller). Nur wenig später, im Jahr 1975 gewann der Finne Keke Rosberg das Rennen der Formel Super V am Steuer eines Kaimann-Volkswagen, einer deutsch-östrreichischen Gemeinschaftsentwicklung. Klaus-Joachim Kleint, Spitzname „Jochi“ gelang 1978 ein Sieg in der deutschen Rallycross-Meisterschaft. Im Jahr 1980 sorgte dann der Volkswagen „Iltis“ auf der Rallye Paris-Dakar für Furore, als Freddy Kottulinsky und Gerd Löffelmann den Gesamtsieg für Volkswagen holten und 1981 gewannen Alfons Stock und Paul Schmuck in einem quietschgrünen Golf GTI die deutsche Rellye-Meisterscchaft. Einen weiteren Höhepunkt markiert 1985 der VW Polo G40, der auf einem Testgelände einen neuen Geschwindigkeitsrekord im 24 Stunden Rennen mit über 208 km/h erzielte.

Die neuere Rennzeit

Nur wenige wissen, dass auch der Anfang der Karriere von Michael Schumacher in enger Verbindung mit Volkswagen steht. Er gewann mit Volkswagen 1990 das Formel-3-Rennen in Macau und legt damit einen seiner wichtigsten Grundsteine für seine weitere Rennsport-Laufbahn. 1991, auf einem Golf G60, gewannen dann Erwin Weber und Manfred Hiemer die deutsche Rallye-Meisterschaft und 1995 wurde der von Volkswagen gesponserte Tom Kristensen Deutscher Formel-3-Meister. Der nächste Erfolg für Volkswagen ließ dann etwas auf sich warten und erst im Jahr 2009 gelang wieder ein Sieg bei der Dakar-Rallye. Dafür gleich doppelt mit den Fahrer-Duos „Miller/Pitchford“ und „de Villiers/von Zitzewitz“. Im Jahr 2010 sollte es dann sogar für einen Dreifachsieg für Sainz/Cruz, Al-Attiyah/Gottschalk und erneut Miller/Pitchford reichen. Was für ein Triumph.

Die jüngste Vergangenheit

Beinahe wie ein Wunder gewinnen im Jahr 2011 direkt wieder die gleichen Teams vom Vorjahr die Dakar-Rallye. Diesmal nur in anderer Reihenfolge. Auf dem Siegertreppchen stehen dieses Mal „Al-Attiyah/Gottschalk“ vor „de Villiers/von Zitzewitz“ und „Sainz/Cruz“. Eine totale Dominanz dieser Rallye. Im Jahr 2013 kann das Team Orgier/Ingraccio gleich zwei Erfolge für Volkswagen verbuchen. Zuerst gewinnen sie einen Lauf in Schweden zur FIA Rallye-Weltmeisterschft, dann gewinnen sie auch noch in Frankreich die Fahrer/Beifahrer-Wertung. In der Spanien-Rallye am Ende des Jahres wird Volkswagen Hersteller-Weltmeister. Sowohl den Fahrertitel, als auch die Fahrer/Beifahrer-bewertung kann das Fahrer-Duo im Jahr 2014 verteidigen. Und es kommt noch besser, denn im Jahr 2015 konnten Orgier, Ingraccio und Volkswagen ihren Erfolg zum dritten Mal feiern.

Ganz großer Respekt. Die Geschichte vom Volkswagen Motorsport und seinen Fahrern im internationalen Rennsport ist damit sicherlich noch lange nicht beendet, denn

streng genommen gehören Porsche und Audi mittlerweile auch zur VW Group.